Was steckt hinter der privaten Krankenversicherung in Österreich?

Artikelbewertung Private Krankenversicherung

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Einleitung

Kennst du das Gefühl, wenn du zum Arzt gehen musst und dir dort vorkommst wie in einer Fabrik, wo jeder nur eine Nummer ist, alles schnell gehen muss und Massenabfertigung stattfindet? Oder bist du dir nicht sicher, ob das verschriebene Medikament dir auch wirklich helfen wird und würdest lieber eine zweite Meinung einholen?

Ich kenne diese Gefühle und habe daher den Entschluss gefasst mich mal mit der privaten Krankenversicherung in Österreich auseinander zu setzen und will meine Rechercheerkenntnisse (u.a. aus Beratungsgesprächen) in diesem Artikel mit dir teilen.

Grundsätzlich muss man sagen, dass in Österreich sowieso über 99% der Bevölkerung bei einer gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert sind[1], welche eine weitgehend kostenlose medizinische Behandlung abdeckt.

Trotzdem gibt es manche Fälle, welche die gesetzliche Krankenversicherung nicht (völlig) abdeckt (z.B. Wahlarzt, Einzelzimmer im Krankenhaus, alternative Behandlungsmethoden, etc.), aber manche dennoch in Anspruch nehmen wollen.

Zu allererst will ich dir sagen, dass eine private Krankenversicherung eine langfristige Sache ist und meist auf Lebenszeit abgeschlossen wird. Daher sollte man sich diese Sache sehr gründlich überlegen.

Welche Arten der privaten Krankenversicherung gibt es?

Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Arten von privaten Krankenversicherungstarifen:

  • Stationär: die Versicherung deckt den Krankenhausaufenthalt in einem Ein- oder Zweibettzimmer ab, sowie die Behandlung durch den Chefarzt
  • Ambulant: der ambulante Tarif deckt die Gesundheitskosten, welche in der Praxis eines Wahlarztes oder in der Ambulanz eines Krankenhauses anfallen
  • Zahnversicherung: eine Versicherung für Zähne macht oft nur wenig Sinn (wenn deine Zähne in einem normalen Zustand sind), da diese meist sehr teuer und die Leistungen der Versicherung sehr eingeschränkt sind. Daher werde ich diesen Bereich in dem Artikel außen vor lassen

Du kannst dir völlig frei aussuchen, welche dieser drei Bereiche du absichern möchtest.

Welche Varianten und Anbieter gibt es?

Da es viele verschiedene Ausgestaltungen und Leistungsunterschiede zwischen den Versicherern gibt, kann ich darauf nicht näher eingehen. Aber die größten Anbieter von privaten Krankenversicherungen sind Wiener Städtische, Uniqa, Merkur, u.A.

Wie hoch sind die Kosten?

Die Kosten hängen von verschiedenen Faktoren ab (die wesentlichsten werde ich noch vorstellen), aber generell lässt sich sagen, dass die monatlichen Kosten je nach Ausgestaltung und bei guten Rahmenbedingungen bei ca. 80 – 100€ anfangen und nach oben hin offen sind.

Was beeinflusst die Höhe der Kosten?

Den meisten Einfluss auf die Höhe der Prämie haben:

  • das Eintrittsalter: je jünger du bist, desto geringer die Prämie
  • der Gesundheitszustand bei der Gesundheitsprüfung: wenn du gesund bist, ist die Prämie deutlich niedriger als wenn du eine dauerhafte, schwere Krankheit hast. Da man oft in jungen Jahren gesünder ist als im Alter, lohnt es sich eine private Krankenversicherung früh abzuschließen, da der Einfluss der Gesundheitsprüfung auf die Prämie sehr hoch ist!
  • die Höhe des Selbstbehalts: die Frage des Selbstbehalts muss jeder für sich klären. Generell kann ich dir sagen, dass, wenn du nicht öfter als alle zwei Jahre ins Spital musst, du mit Selbstbehalt meist besser aussteigst
  • Entscheidung, ob Österreich- oder Bundesland-Tarif: der Österreich-Tarif ist teurer, dafür gelten die Leistungen der Versicherung in ganz Österreich, während der Bundesland-Tarif sich auf ein Bundesland beschränkt. Du kannst allerdings die Tarife wechseln und beispielsweise vom Österreich-Tarif auf den Bundesland-Tarif umstellen, wenn sich z.B. dein Wohnort ändert
  • Weiters hast die Wahl, ob du Spitalgeld bekommst, oder nicht, welches aber aus meiner Sicht nur ein teures Zuckerl der Versicherung ist

Worauf muss man aufpassen?

  • Bei dem ambulanten Tarif gibt es einen Höchstsatz. Der Versicherer deckt maximal bis zum Höchstsatz (beispielsweise 2.000 EUR pro Jahr) anfallende Kosten im ambulanten Bereich innerhalb eines Zeitraums
  • Die Wartezeit (= Leistungen von der Versicherung werden frühestens erst nach Ablauf einer Frist nach Vertragsabschluss erbracht) ist unterschiedlich und ist i.d.R. 3 Monate im ambulanten Bereich (ausgenommen Spezialfälle wie z.B. Schwangere, in diesem Fall ist die Wartezeit 9 Monate)
  • Bei der Gesundheitsprüfung solltest du wahrheitsgemäß deinen Gesundheitszustand angeben (da bei vorsätzlich falschen Angaben ansonsten die Versicherung im Krankheitsfall fristlos den Vertrag auflösen kann und die Gesundheitskosten nicht decken muss!)
  • Auch Partner oder Kinder können meist mitversichert werden, allerdings fällt dann jeweils eine eigene Gesundheitsprüfung an. Eventuell bekommst du auch noch einen Familienrabatt
  • Die Prämie kann angepasst werden. Meist erfolgt eine Anpassung an einen Index, wenn die durchschnittliche Lebenserwartung steigt, oder du Leistungen der Versicherung zu häufig in Anspruch nimmst. Allerdings kann die Prämie nicht aufgrund von Alter oder Krankheitszustand verändert werden! Sollte so eine Prämienanpassung stattfinden, so hat man die Möglichkeit dem zu widersprechen. Allerdings empfiehlt es sich die Indexerhöhung im stationären Bereich immer anzunehmen, da ansonsten die Kostendeckungsgarantie (= dass die Versicherung sämtliche Kosten tragen muss, die anfallen) wegfällt
  • Bei der Einreichung einer Honorarnote empfiehlt es sich die Honorarnote zuerst bei der gesetzlichen Versicherung und erst dann bei der privaten Krankenversicherung einzureichen
  • Option: Manche Versicherer bieten einen Optionstarif an (folgend näher erklärt)

Was ist die Option?

Es gibt beim stationären Tarif bis i.d.R. zum Alter von 35 Jahren die Wahl einer Option. Hierbei zahlst du nur etwa 1/3 der Prämie, aber du bist nur im Falle eines Unfalls zusatzversichert.

Auch beim ambulanten Tarif gibt es eine Option. Wenn du diese wählst, so zahlst du nur wenige Euro im Monat und erhält keine ambulanten Leistungen.

Das klingt jetzt alles auf den ersten Blick nicht so toll, ABER du kannst dir so deinen Gesundheitszustand konservieren! Das macht vor allem in jungen Jahren Sinn, weil man da meist noch in einem relativ guten Gesundheitszustand ist. Denn wenn man z.B. bereits 50 Jahre alt ist, hat es durchaus finanzielle Vorteile, wenn sich die Prämie an dem Gesundheitszustand eines gesunden 20-Jährigen orientiert.

Von dieser Option kannst du dann zu festgelegten Zeiten (idR 1x im Jahr, frühestens nach ca. 2 Jahren – je nach Versicherung) in den Volltarif wechseln und die gesamten Leistungen (inkl. einer erhöhten Prämie) in Anspruch nehmen mit dem „jungen“ Gesundheitszustand. Allerdings ist das je nach Versicherung nur bis zum Alter von 40 bzw. 50 Jahre möglich.

Fazit

Wie du siehst, ist das mit der privaten Krankenversicherung keine einfach Sache! Es müssen einige Aspekte berücksichtigt werden und man sollte hier keine vorschnellen Entscheidungen treffen, da es sich hier um eine langfristige Entscheidung handelt.

Außerdem ist die private Krankenversicherung meist teuer. Daher macht es für junge Menschen durchaus Sinn, den Optionstarif zu wählen und dadurch die Prämie am Anfang erschwinglich zu halten.

So kannst du sicherstellen, dass du später einmal die Leistungen der privaten Krankenversicherung zu einem guten Preis in Anspruch nehmen kannst.

Weiterführender Link:
http://www.geldmarie.at/versicherungen/krankenversicherung.html

 

Was meinst du? Ist es dir Wert, dass du dir eine private Krankenversicherung leistest? Warum?

 

Bleib Hungrig!

Dein Pfennigfuchser

 

Disclaimer:
Dieser Artikel liefert lediglich generelle Informationen zur privaten Krankenversicherung und beruht hauptsächlich auf meinen persönlichen Erfahrungen und Beratungsgesprächen, bei denen ich persönlich dabei war. Es kann sein, dass verschiedene oben genannte Faktoren/Tatsachen von der Realität abweichen und daher appelliert der Autor an den Leser sich umfangreich zu informieren und einen kompetenten Berater aufzusuchen.

Quellen:
[1] https://www.sozialversicherung.at/cdscontent/?contentid=10007.845161&portal=svportal
Beitragsbild: www.pixabay.com/

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Portrait Christopher Rechberger Quadratisch

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