Anleitung zu deiner idealen Vermögensstruktur Teil 2

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Einleitung

Im letzten Artikel dieser Serie lerntest du die Grundkonzepte von Vermögensstrukturierung kennen. Den Zusammenhang zwischen Risiko und Rendite, worin du dein Geld anlegen kannst und wie du mit einfachen – aber nicht verlässlichen – Heuristiken theoretisch dein Vermögen strukturieren könntest.

In diesem Artikel wirst du dir deine ersten Anlageziele setzen, mehr über den Hintergrund des Anlagehorizonts erfahren und erhältst Werkzeuge an die Hand, um deine persönlichen Risikofaktoren, die deine Vermögensstrukturierung stark beeinflussen, zu bestimmen.

Anlageziele

Jeder Anleger sollte sich über seine eigenen Anlageziele im Klaren sein, bevor das erste Geld investiert wird. Du würdest doch auch keinen Urlaub buchen, ohne zu wissen, wo es überhaupt hingeht?

Daher empfehle ich dir, dass du dir etwas Zeit nimmst und für dich persönlich herausfindest, für welches Ziel du denn überhaupt sparen willst.

Typische Sparziele sind:

  • Altersvorsorge
  • Wohneigentum
  • Ausbildung der Kinder
  • Allgemeiner Vermögensaufbau
  • etc.

Lege daher (am besten schriftlich) fest, für welche konkreten Ziele du Geld anlegen möchtest und wie hoch der Eurobetrag sein soll, den du am Schluss bei der Erreichung deines Ziels benötigst. Beispielsweise kann ein solches Ziel lauten “Ich werde eine solide Altersvorsorge besitzen, die 1 Mio. Euro beträgt” oder “Ich werde mir eine Eigentumswohnung um 200.000 Euro kaufen”.

Damit stellst du sicher, dass du kurzfristig keine größeren Anschaffungen aus bereits investiertem Geld planst.

Anlagehorizont

Nachdem du deine Ziele festgelegt hast, solltest du als nächstes für jedes Ziel den Zeitpunkt der Geldentnahme fixieren. Es macht bei der Geldanlage einen großen Unterschied, ob du ein Eigenheim in 5 oder erst in 20 Jahren erwerben möchtest.

Von dem zuvor erwähnten Zeitpunkt lässt sich dann der Anlagehorizont ableiten. Der Anlagehorizont unterteilt sich meist in kurzfristig (0 – 5 Jahre), mittelfristig (5 – 15 Jahre) und langfristig (> 15 Jahre), wobei diese Einteilung meine persönliche ist und je nach Quelle variieren kann.

Grundsätzlich gilt:

  • Je länger dein Anlagehorizont ist, desto mehr Risiko kannst du beim Investieren in Kauf nehmen, weil du bequem die Kursschwankungen deiner Investitionen aussitzen kannst.
  • Je näher du dem Zeitpunkt der Geldentnahme (z.B. Ruhestand) kommst, desto mehr Sicherheit möchtest du, damit du einen bestimmten Eurobetrag auf jeden Fall ausbezahlt bekommst. Daher lohnt es sich rechtzeitig Teile des Vermögens in sicherere Häfen (z.B. Tagesgeldkonto) umzuschichten.

Junge Menschen sind beim Investieren in der Regel klar im Vorteil, da sie einen langen Anlagehorizont haben, mehr Risiko eingehen können und daher auch mehr Rendite erwirtschaften sollten.

Bestimmung deines Risikoprofils

Dein Risikoprofil (bzw. Anlegerprofil) stellt neben deinen Anlagezielen und -horizont den Ausgangspunkt für all deine Investments dar, damit all deine Investitionsentscheidungen in deiner individuellen Komfortzone liegen. Folgend zeige ich dir, wie du dein Risikoprofil bestimmen kannst.

Grundsätzlich gibt es drei persönliche Risikofaktoren, die dein Risikoprofil bestimmen:

  • Risikotoleranz
  • Risikotragfähigkeit
  • Benötigtes Risiko

Wobei es für jeden Risikofaktor drei Ausprägungen gibt:

  • niedrig (konservativ; wenig Risiko)
  • moderat (ausgewogenes Risiko)
  • hoch (chancenorientiert; viel Risiko)

Lies dir die Erklärungen für die Risikofaktoren durch und schätze dich selbst für jeden Risikofaktor in den drei oben genannten Ausprägungen ein.

Deine Risikotoleranz – mit wie viel Risiko & Schwankungen kannst du ruhig schlafen

Dieser Faktor beschreibt deine Bereitschaft Verluste deines investieren Gelds zu akzeptieren im Gegenzug für ein größeres Ertragspotenzial. Meist spiegelt sich die Persönlichkeit in der Risikotoleranz wieder.

Beispiel: Wenn du nachts gar nicht ruhig schlafen kannst, mit dem Wissen, dass du morgen eventuell 1.000 EUR deines Vermögens verlieren könntest, dann ist deine Risikotoleranz eher niedrig.

Als Hilfestellung habe ich für dich einen coolen Kurz-Test erstellt, mit dem du bestimmten kannst, welcher Risikotyp du bist. Als Hilfe für die Testauflösung: Hai = hohe Risikotoleranz, Delphin = moderate Risikotoleranz, Schildkröte = niedrige Risikotoleranz.

Deine Risikotragfähigkeit – welche Risiken darfst du eingehen

Dieser Faktor beschreibt, welche Risiken du aufgrund deiner jetzigen und (geplanten) zukünftigen Situation eingehen darfst, ohne dass deine Existenz und deine zukünftigen Pläne gefährdet werden.

Generell ist sie umso höher, wenn

  • du noch jung bist.
  • du viele Ersparnisse hast und du auch künftig viel weiter sparen wirst.
  • dein angelegtes Geld lange nicht benötigt wird (= langfristiger Anlagehorizont).
  • du auf dein aktuelles Vermögen nicht angewiesen bist.
  • wenig finanzielle Verpflichtungen sowie Fixkosten vorhanden sind.

Beispiel: Ein 25 Jähriger mit fertiger Ausbildung, der noch bei seinen Eltern wohnt, kann mehr Risiko eingehen als jemand, der 50 Jahre alt ist, keine Ersparnisse hat, Alimente für seine Frau zahlen muss und gerade den Job verloren hat. In diesem Beispiel hat der 25 Jährige eine hohe Risikotragfähigkeit, während der 50 Jährige eine niedrige Risikotragfähigkeit hat.

Zusätzlich solltest du hier deine grobe Lebensplanung berücksichtigen. Wenn du vorhast z.B. in 5 Jahren eine Immobilie zu kaufen, oder eine Familie zu gründen, dann solltest du deine Risikotragfähigkeit etwas vorsichtiger einschätzen, denn du willst sicher nicht das hart ersparte Geld für dein Eigenheim an der Börse verzocken.

Dein Benötigtes Risiko – wie viel Risiko brauchst du

Das benötigte Risiko spiegelt wieder, wie viel Risiko du eingehen musst, um deine finanziellen Ziele zu erreichen.

Wenn du zur Rente fünf Millionen Euro haben willst, ein normales Einkommen beziehst, aber dein Geld nur in (derzeit niedrig verzinste) Sparbücher anlegen möchtest, dann wird sich das rein rechnerisch einfach nicht ausgehen.

Um dein benötigtes Risiko für deine Rente zu ermitteln, rechne dir zuerst aus, wie hoch dein Vermögen circa beim Rentenantritt sein muss. Dazu kannst du meinen Rentenvermögensrechner verwenden. Notiere dir den Wert und gehe auf den Sparrechner von zinsen-berechnen.de. Dort wollen wir uns den benötigten Zinssatz berechnen und trage in das Feld “Endkapital” den zuvor notierten Wert ein, in “Anfangskapital” dein aktuelles Vermögen, in “Sparrate” wie viel du circa monatlich sparen kannst und in “Ansparzeit” wie viele Jahre du noch bis zur Rente hast. Klicke danach auf “berechnen” und dir wird ein erforderlicher Zinssatz angezeigt.

Mit folgenden Zinssatzkorridoren kannst du nun dein benötigtes Risiko besser einschätzen:

  • 0 – 2%: niedrig benötigtes Risiko
  • 2 – 4%: moderat benötigtes Risiko
  • > 4%: hohes benötigtes Risiko

Notiere dir für alle drei Risikofaktoren deine Ausprägungen (z.B. hohe Risikotoleranz, moderate Risikotragfähigkeit und hohes benötigtes Risiko), du wirst sie für den nächsten Artikel brauchen.

Fazit

  • Ohne konkrete Anlageziele solltest du nicht investieren beginnen.
  • Der Anlagehorizont spielt eine wesentliche Rolle beim Investieren.
  • Junge Menschen besitzen mehr Ertragspotenzial, da sie mehr Risiko eingehen können.
  • Die drei Risikofaktoren Risikotoleranz, Risikotragfähigkeit und benötigtes Risiko spielen eine tragende Rolle für all deine Investitionsentscheidungen.

 

 

Hier findest du nochmals alle Artikel dieser Serie:

 

Bleib Hungrig!

Dein Pfennigfuchser

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