Hausgemachte Inflation Volume I

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Einleitung

Hast du dich schon einmal gefragt, warum die Preise von Produkte und Dienstleistungen in den letzten Jahren immer teurer wurden?

Oder ist dir schon mal aufgefallen, dass der Begriff Inflation in den Zeitungen wieder herumgeistert so wie jedes Jahr?

Aber was ist Inflation überhaupt und was bedeutet sie für deine Finanzen? Das erfährst du in diesem Artikel.

Inflation

Die Inflation bezeichnet die allgemeine Verteuerung von Produkten und Dienstleistungen (= Minderung deiner Kaufkraft), weil die Banken immer mehr Geld drucken, aber es nur begrenzt reale Produkte zum Kaufen gibt. Und das Schlimmste daran ist, dass es ein schleichender Prozess ist und du es quasi gar nicht merkst, wie dir das Geld bzw. die Kaufkraft durch die Finger rinnt.

Typischerweise wird die Inflation in % pro Jahr angegeben. Beispiel: Eine Semmel kostete letztes Jahr nur 30 Cent und heute musst du dafür 31 Cent zahlen. Somit liegt die Inflation (= Teuerung) der Semmel bei 3,33%. Rechnung: (31 – 30) / 30.

Da die Inflation nicht aus einer einzelnen Semmel berechnet wird, gibt es einen breit gefächerten Warenkorb, den eine österreichische Behörde (Statistik Austria) regelmäßig erhebt.

Der Verbraucher-Preis-Index

Der breit gefächerte Warenkorb heißt Verbraucherpreisindex (VPI), der als Maßstab zur Preisentwicklung bzw. für die Inflation in Österreich herangezogen wird.

Inflation_und_Euribor_2017

Beispielsweise findest du in diesem Warenkorb neben Fisch, Milch, Zucker, Benzin auch noch Jeans, Bohrmaschinen, Neuwagen, Laptops und Gitarren.

In der Grafik siehst du, wie sich die Inflation in den letzten Jahren entwickelte.

Sieht ja gar nicht so schlimm aus, aber wenn du eine Inflation von z.B. 3% auf 24 Jahre aufrechnest, dann verdoppeln sich die Preise in diesem Zeitraum!

Außerdem siehst du in der Grafik, dass derzeit die Sparzinsen unterhalb der Inflation liegen! Heißt du verlierst jedes Jahr an Kaufkraft, auch wenn dein Geld fleißig am Sparkonto verzinst wird.

Warum ich dem VPI nicht traue

Allerdings bin ich etwas skeptisch gegenüber dem VPI. Dies hat folgende Gründe:

  • In dem Warenkorb sind Produkte enthalten, die du sehr selten kaufst, wie z.B. ein Auto oder einen Laptop. Ich finde, dass Produkte, die man oft kauft, z.B. Lebensmittel, stärker berücksichtigt werden sollten.
  • Der Warenkorb wird regelmäßig neu kalibriert und verändert. So war in dem VPI der 80er Jahre ganz sicher kein Laptop darin enthalten. Seit 1958 wurde er beispielsweise 9 mal geändert und die EU hat vorgeschrieben, den VPI alle 5 Jahre anzupassen, um ihn „aktuell“ zu halten, was in meinen Augen allerdings eine Vergleichbarkeit auf lange Zeit schwierig gestaltet.
    • Anmerkung: es wäre interessant herauszufinden, wie sich die Inflation entwickelt hat, wenn man als Berechnungsgrundlage die Zusammensetzung des VPIs vor 30 Jahren hernehmen würde. Da das allerdings zu aufwändig ist, habe ich das an dieser Stelle nicht getan.
  • Der Staat hat ein Interesse daran den VPI niedrig zu halten. Je niedriger die Inflation desto weniger Zinsen muss der Staat für neue Staatsanleihen zahlen. Keiner würde dem Staat einen Kredit von 2% geben, wenn die Inflation zur gleichen Zeit 5% hoch wäre (= Verlust von 3% p.a.).

Launch eines eigenen Warenkorbs

Aus all diesen Gründen habe ich mich entschieden eine eigene Variante eines Warenkorbs zu entwerfen, der sich auf die Lebensmittelpreisentwicklung fokussiert.

Dieser Warenkorb sollte eine (halbwegs) typische wöchentliche Lebensmittel-Einkaufsliste einer Person abbilden.

Dazu habe ich viele Lebensmittel des Miniwarenkorbs der Statistik Austria (der in meinen Augen nicht schlecht ist) ausgewählt und ein paar Lebensmittel selbst ergänzt. Diese bilden die Basisprodukte für meinen Warenkorb.

Anschließend habe ich versucht ähnliche Basisprodukte in den zwei Supermärkten Billa (= REWE) und Hofer (= Aldi) zu finden, habe die Preise notiert und auf den wöchentlichen Warenkorb heruntergebrochen.

Weiters weißt der Warenkorb folgende Charakteristika auf:

  • Ich habe einen Fokus auf Qualität sprich Bio Produkte gelegt, wo es ging. Dennoch sind einige konventionelle Lebensmittel enthalten.
  • Mengen- und Sonderrabatte werden ignoriert.
  • Da sich die Sortimente der Supermärkte jederzeit ändern können, habe ich für jedes Basisprodukt zusätzlich ein Ersatzprodukt ausgewählt, damit der Warenkorb nicht kaputt wird, falls ein einziges Produkt nicht mehr gelistet werden sollte.

23 Lebensmittel

Insgesamt sind in meinem Warenkorb 23 Lebensmittel vertreten, hier die genauere Auflistung sowie deren Gewichtung:

Warenkorb-1

Warenkorb-2

Die Preise wurden zwischen dem 18.1. und 25.1.2018 per Direktbesuch und via Onlineshop beim jeweiligen Supermarkt ermittelt.

Der Standardwarenkorb bei Hofer kommt im Jahr 2018 auf 44 EUR während dieser bei Billa 57 EUR beträgt.

Erkenntnisse & Ausblick

Du erkennst am Warenkorb, dass Billa etwas teurer als Hofer ist, was daran liegt, dass das Produktsortiment bei Billa etwa 7 – 10 Mal so groß ist wie bei Hofer und Hofer eine Diskonter Schiene (weniger Sortiment, billigere Waren) fährt.

Diesen Warenkorb werde ich künftig jedes Jahr im Jänner auf das aktuelle Preisniveau untersuchen und meine eigene hausgemachte Inflation dadurch bestimmen.

Was hältst du von der Idee eines eigenen Inflationwarenkorbs?

 

Bleib Hungrig!

Dein Pfennigfuchser

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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Vielen Dank für die Zusammenstellung.
    Ich führe seit mehreren Jahrzehnten einen Haushaltsplan Soll/Ist. Da ich die Buchhaltung für unsere Firma mache, kostet es nur ein wenig Zeit.
    Erstaunt bin ich über das niedrige Preisniveau in Österreich, insbesondere Rentner, Aufstocker, Studenten, Niedriglohnbezieher haben in Deutschland ein geringeres Einkommen als in Österreich, aber das selbe Preisniveau.
    Wir könnten die Preise vergleichen, müssten aber die Monate für die Vergleichbarkeit abstimmen.
    Ich bin gerade dabei einen Nothaushaltsplan aufzustellen. In welchem wir unsere Einnahmen und Ausgaben um 80 % runterfahren, also auch keine weiteren Rücklagen bilden.
    Die mildere Variante ist der neue Sparhaushaltsplan. Dieser besteht aus qualitativ hochwertigen Lebensmitteln zu 80 % Bio-Produkte, Spezialitäten aus Italien, Schweiz, … Hier habe ich für zwei Personen 16 €/Tag angesetzt, plus Extratage für Besucher, Familie und Freunde. Wir bereiten die frischen Lebensmitteln zu 95 % zu Hause zu, Fertigprodukte, wie Fischstäbchen gibt es selten, außer Teigwaren. Die werden nur zu 10 % selbst hergestellt.
    Ich würde aber auch die Angebotspreise erfassen, da ich bewusst Angebote auswähle, zum Beispiel hochwertige Butter aus Weidemilch. Die kaufe ich bewusst auf Vorrat und friere sie ein. Sollte es keine günstige gute Butter im Geschäft geben wird auf die gefrorene zurückgegriffen.
    Übrigens gab es früher in der BRD unterschiedliche Warenkörbe je nach Einkommen. Rentner, Arbeiter, Angestellte, Beamte und gehobene Beamte hatten recht unterschiedliche Teuerungsraten. Den Begriff Inflation würde ich hier nicht verwenden.

    Grüße

    Antworten

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