Auswahl dividendenstarker Wertpapiere – So gehts

In diesem Artikel zeige ich dir, welche Kriterien du bei der Auswahl dividendenstarker Wertpapiere verwenden solltest.

Artikelbewertung Auswahl dividendenstarker Wertpapiere

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Einleitung

In den letzten Dividenden-Artikeln haben wir mit den Grundlagen der Dividendenstrategie beschäftigt, welche steuerlichen Implikationen diese hat und welche Arten von Dividendenwertpapieren es gibt.

Diesmal beschäftigen wir uns mit der Auswahl dividendenstarker Wertpapiere und worauf du dabei achten musst.

Vorab: Die richtige Depotbank

Einige dividendenstarke Wertpapiere (vor allem Fonds) sind in der EU nicht zugelassen.

Daher dürfen sie in der EU nicht verkauft werden aufgrund von MiFiD II (Richtlinie 2014/65/EU vom 03.01.2018)[1].

Wenn du dich beim Handel von dividendenstarken Wertpapiere nicht einschränken möchtest und von der i.d.R. geringeren Besteuerung von außereuropäischen Fonds profitieren möchtest, dann brauchst du ein außereuropäisches Depot.

Der Anbieter darf den Sitz nicht in der EU haben, keine europäische Banklizenz besitzen und darf die Bankleistungen nicht aktiv in Europa anbieten[2].

Das schränkt die Auswahl etwas ein, aber es bieten sich dadurch z.B. Schweizer Online-Depotbanken wie die Swissquote an.

Auswahl dividendenstarke Wertpapiere Depotbank

Bei der Auswahl der Depotbank solltest du auf folgende Punkte achten[3]

  • Die Depotbank sollte dir den Zugang zu den größten internationalen Börsen ermöglichen. Dazu zählen u.a. die New York-, London-, Singapore-, Australian- und Toronto Stock Exchange.
  • Die Handels-, Depot- und Verrechnungskontogebühren sollten niedrig sein. Die Depot- und Verrechnungskontogebühren sollten meines Erachtens nicht mehr als 100 EUR pro Jahr sein. Während die Handelsgebühren unter 30 EUR bei einem Kaufvolumen von 2.000 EUR liegen sollten.
  • Die Depotbank sorgt für eine korrekte Abrechnung der Ausschüttungen sowie Quellensteuer. Sie stellt dir dafür Belege zur Verfügung. Außerdem kannst du die Quellensteuer für einzelne Wertpapiere vor dem Kauf erfragen.
  • Der Broker sollte dir einmal im Jahr kostenlos eine Erträgnisaufstellung zur Verfügung stellen. Diese sollte vom Finanzamt als Nachweis deiner Kapitaleinkünfte akzeptiert werden.
  • Achte darauf, dass der Broker keine Wertpapierleihe mit den Wertpapieren ihrer Kunden erlaubt.
  • Überweisungen vom Verrechnungskonto auf ein heimisches Bankkonto sollten problemlos und zuverlässig möglich sein.

Du solltest unbedingt noch wissen:

Sobald du ein ausländisches Depot besitzt, musst du dir die Steuern für dieses Depot selbst berechnen und in deiner Steuererklärung angeben. Ansonsten hinterziehst du Steuern.

Das ist weder kompliziert noch zeitaufwändig, wie ein deutsches Beispiel zeigt.

Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich hier ein österreichisches Beispiel verlinken.

Auswahl dividendenstarker Wertpapiere – Die Kriterien

Auswahl dividendenstarker Wertpapiere - Die Checkliste

Bei den Kriterien orientiere ich mich an denen von Luis Pazos*. Zusätzlich habe ich ein paar eigene Kriterien ergänzt.

Für jedes Wertpapier solltest du vorab auf Folgendes schauen[4]:

  1. Hohe Ausschüttungsrendite: die Ausschüttungsrendite sollte mindestens 5 Prozent plus Inflationsrate betragen. Aktuell wären das ca. 6-7 Prozent.
  2. Dividende möglichst oft: die Ausschüttungsfrequenz sollte mindestens quartalsweise oder gar monatlich sein.
  3. Konstante Dividende: die Höhe der Dividenden sollte in der Vergangenheit relativ konstant gewesen sein.
  4. Gutes Geschäftsmodell: ist das zugrunde liegende Geschäftsmodell der Firma nachvollziehbar, plausibel und hat es Bestand in der Zukunft?
  5. Nachhaltige Dividendenpolitik: die Ausschüttungen des Wertpapiers müssen aus den laufenden Einnahmen abzüglich Wartungsinvestitionen getätigt werden können. Die Substanz (wirtschaftlicher Wert) des Wertpapiers darf nicht unter den Ausschüttungen leiden und weniger werden.
  6. Wenig Fremdkapital: die Dividendenrendite darf nicht künstlich durch zu viele Schulden nach oben gehebelt werden.
    Der Verschuldungsgrad des Unternehmens darf nicht zu hoch sein und sollte maximal 1/3 des Unternehmensvermögens sein.
  7. Fließender Handel: das Wertpapier muss an einer liquiden und verlässlichen Börse zu vernünftigen Gebühren handelbar sein.
  8. Niedrige Quellensteuer: die Quellensteuer für das Wertpapier sollte 15% nicht übersteigen, da alles darüber nicht auf die Kapitalertragssteuer anrechenbar ist.
  9. Gegebene Risikostreuungswirkung: prüfe, inwiefern das Wertpapier dein bestehendes Wertpapierportfolio diversifiziert.

Hier findest du ein Beispiel einer Wertpapieranalyse über den VanEck Vectors BDC Income ETF.

So prüfst du ein Wertpapier auf die Kriterien

Um die Auswahl dividendenstarker Wertpapiere durchzuführen, benötigst du eine Liste solcher. Dazu kannst du z.B. Luis Pazos Wertpapier-Datenbank* nutzen.

Sobald du dir ein Wertpapier näher ansehen und untersuchen möchtest, findest du wertvolle Informationen vor allem auf Seekingalpha.com und der Unternehmenshomepage selbst.

Auswahl dividendenstarke Wertpapiere Suchleiste

Schauen wir uns nun nochmal die Kriterien von oben an und wie du sie konkret prüfen kannst:

1. Hohe Ausschüttungsrendite

Gehe auf Seekingalpha.com und suche nach dem Symbol des Wertpapiers (z.B. BIZD).

Anschließend klickst du dann auf den Reiter „Dividends“. Dort siehst du dann das Dividend Yield (Ausschüttungsrendite) mit dem Kürzel (FWD).

FWD steht forward und damit ist die geschätzte Dividendenrendite in der Zukunft gemeint.

Dahingegen gibt es auch das Dividend Yield (TTM), welches für Trailing steht. Damit ist meist die Dividendenrendite auf Basis der letzten 12 Monate gemeint[5].

2. Dividende möglichst oft

Auf der selben Seite findest du auch unter dem Reiter „Dividends“ die „Div Frequency“ also die Ausschüttungsfrequenz.

3. Konstante Dividende

Unter dem Reiter „Dividend History“ kannst du dir die Historie der Dividenden für bis zu 10 Jahre ansehen.

Mache dir ein Bild davon, ob die Dividenden in den letzten Jahren konstant geblieben sind.

4. Gutes Geschäftsmodell

Gehe auf die Homepage des börsennotierten Unternehmens.

Auf der Homepage solltest du einen „Investors“ Bereich finden. Dort erfährst du, was das Unternehmen genau macht und wie es Geld verdient.

Zusätzlich solltest du dir (alte) Geschäftsberichte (annual oder quarter reports) ansehen, um ein Gespür für das Geschäftsmodell zu bekommen.

Generell kann ich zu diesem Punkt sagen, dass du dich hier eher auf dein Bauchgefühl verlassen sollst.

5. Nachhaltige Dividendenpolitik

Finde heraus, ob in den letzten Jahren der operative Cashflow höher war als die gesamt ausgeschüttete Dividende.

Denn der ausgewiesene Gewinn alleine ist meist irreführend.

Auswahl Nachhaltige Geschaeftspolitik gegeben?

Die Zahl, die du ermitteln musst heißt auf Englisch „cash available for distribution – CAFD“.

Dazu kannst du entweder Seekingalpha.com (Reiter „Financials“ -> „Cashflow“) nutzen, oder wenn dies nicht vorhanden ist, dann musst du in den Jahresbericht des Unternehmens schauen und dort die Erfolgsrechnung („Statement/Result of Operations“) ansehen.

Die Formel für CAFD lautet: Net Income + Depreciation and amortization – Interest income + Interest expense – gain on investment sale + loss on investment sale – income from unconsolidated ventures + loss from unconsolidated venture – recurring capital expenditures[6].

Auf Deutsch heißt das in etwa übersetzt: Es wird der bereinigte Cashflow gesucht, der die Abschreibung, Zinsen und Investitionskauf/-verkaufseffekte vernachlässigt und laufende Investitionen berücksichtigt.

6. Wenig Fremdkapital

Wenig Fremdkapital

Finde heraus, wie viel Fremdkapital die Firma hat, wie hoch das Gesamtvermögen ist und dividiere ersteres durch zweiteres.

Dazu kannst du entweder Seekingalpha.com (Reiter „Financials“ -> „Financial Statements“ -> „Balance Sheet“) nutzen, oder wenn dies nicht vorhanden ist, dann musst du in den Jahresbericht des Unternehmens schauen und dort die Bilanz („Statement/Result of Assets and Liabilities“) ansehen.

Das Fremdkapital heißt i.d.R. „total liabilities“ und das Gesamtvermögen „total assets“.

Dividierst du nun das Fremdkapital / Gesamtvermögen bekommst du die Fremdkapitalquote, die idealerweise unter 30% liegen sollte.

7. Fließender Handel

Dazu kannst du auf die Handels-Plattform deiner Depotbank gehen und nach dem Wertpapier suchen.

Anschließend kannst dir ansehen, wie hoch der Geldkurs (Engl. „bid“ – wie viel jemand für das Wertpapier bietet, um es zu kaufen) und der Briefkurs (Engl. „ask“ – wie viel ein Besitzer des Werpapiers verlangt, um es zu verkaufen) von einander entfernt sind[7].

Die Differenz nennt „Spread“. Dividierst du das Spread durch den Geldkurs, dann sollte die daraus resultierende Kennzahl meiner Meinung nach nicht höher als 1% sein.

Beachte, dass die Bid/Ask Preise außerhalb der regulären Börsenöffnungszeiten manchmal irreführend sein können.

8. Niedrige Quellensteuer

Hier fragst du am besten bei der Depotbank nach, wie viel Quellensteuer für das Wertpapier anfallen.

Zusätzlich kannst du dich nach Formularen erkundigen, mit denen du eine niedrigere Quellensteuer für das jeweilige Land beantragen kannst.

9. Gegebene Risikostreuungswirkung

Diversifikation (Risikostreuung) ist meines Erachtens nach ein unverzichtbarer Bestandteil einer klugen Anlagestrategie.

Wenn du dein gesamtes Vermögen 2008 nur in Schifffahrtsunternehmen investiert hattest, dann fast alles kurz danach futsch gewesen.

Bevor du dir ein Wertpapier kaufst, solltest du daher prüfen, ob das neue Wertpapier dein bestehendes Wertpapier-Portfolio diversifiziert, sprich weniger schwankungsanfälliger macht.

Das nenne ich die Risikostreuungswirkung eines Wertpapiers.

Ein schlechtes Beispiel für die Risikostreuungswirkung wäre:

Du hast nur Schifffahrtsunternehmen in deinem Portfolio und kaufst dir ein Schifffahrtsunternehmen, das du bisher nicht hattest.

Sobald es mal der Schifffahrtsbranche nicht gut geht, reißt es dein ganzes Portfolio mit nach unten.

Ein besseres Beispiel für Risikostreuung wäre:

Du hast nur Schifffahrtsunternehmen in deinem Portfolio und kaufst dir Anteile von einem Logistik Unternehmen, das Waren an Land transportiert (= Diversifikation innerhalb der Industrie Logistik) oder Anteile an einem Lebensmittelunternehmen (= Diversifikation außerhalb der Industrie).

Die Diversifikation

Dimensionen der Risikostreuung

Wie du siehst, kannst du dein Portfolio über verschiedene Aspekte diversifizieren.

Für die Dividendenstrategie solltest du dein Portfolio meiner Meinung nach über folgende Dimensionen diversifizieren:

  • Offensiv vs. Defensiv: Laut Luis Pazos sollte dein Portfolio ausgeglichen auf risikoreiche (offensiv) und risikoarme (defensiv) Wertpapiere aufgeteilt sein. Wobei defensive Wertpapiere für ihn konservative Preferred Shares oder Unternehmens-/Staatsanleihen mit Investmentgrade Rating sind.
    Konservative Preferred Shares zeichnen sich dadurch aus, dass der Emittent ebenfalls ein Investmentgrade Rating hat oder die Emission kapitalgedeckt ist.
    Fällt ein Wertpapier nicht in die Kategorie „defensiv“, so ist es automatisch als „offensiv“ zu klassifizieren[8].
  • Instrumente (Rechtsformen): Diversifiziere dein Portfolio über die verschiedenen Arten von dividendenstarken Wertpapieren.
  • Geografisch: Streue dein Portfolio über verschiedene Länder und Regionen z.B. USA, Großbritannien, Asien, etc.
  • Währungen: Besitze Wertpapiere, die auf verschiedene Währungen lauten z.B. US-Dollar, Euro, Pfund, etc.
  • Branchen: Streue deine Wertpapiere über verschiedene Branchen z.B. Lebensmittel, Energie, Transport, etc.

Die Risikostreuungswirkung eines Wertpapiers wird vor allem dadurch beeinflusst, in welche Wertpapiere du bisher investiert hast.

Zu tief möchte ich in das Thema Risikostreuung in diesem Artikel nicht gehen, da ich dem Thema eine eigene Artikelserie gewidmet habe.

Fazit

  • Jetzt bist du in der Lage die Auswahl dividendenstarker Wertpapiere selbst durchzuführen.
  • Anhand der vorgestellten, praxisorientierten Kriterien kannst du nun selbst beurteilen, ob ein dividendenstarkes Wertpapier eine Investitionschance für dich ist, oder du besser die Finger davon lassen solltest.

 

Bleib Hungrig!

Dein Pfennigfuchser

 

Quellen:
[1], [2] Pazos: Bargeld statt Buchgewinn – Mit Hochdividendenwerten zum passiven Monatseinkommen, 4. Auflage, FinanzBuch Verlag, München 2020, S.234f*
[3] Pazos: Bargeld statt Buchgewinn – Mit Hochdividendenwerten zum passiven Monatseinkommen, 4. Auflage, FinanzBuch Verlag, München 2020, S.223f*
[4] Pazos: Bargeld statt Buchgewinn – Mit Hochdividendenwerten zum passiven Monatseinkommen, 4. Auflage, FinanzBuch Verlag, München 2020, S.45f*
[5] https://www.investopedia.com/articles/investing/041013/differences-between-forward-pe-and-trailing-pe.asp
[6] https://www.investopedia.com/terms/c/cash-available-for-distribution.asp
[7] https://www.focus.de/finanzen/boerse/lexikon/boersenlexikon-geld-brief_id_10542199.html
[8] Schriftliche Korrespondenz mit Luis Pazos
Bilder:
Beitragsbild: https://pixabay.com/photos/doors-choices-choose-decision-1690423/
Handy & Laptop: https://pixabay.com/photos/finance-stock-trading-day-trading-5771541/
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Portrait Christopher Rechberger Quadratisch

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