Die Legende vom Tellerwäscher zum Millionär – was wirklich dahinter steckt

Artikelbewertung „Vom Tellerwäscher zum Millionär“

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Praxisorientiert30%
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Mehrwert50%
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Einleitung

Wir alle kennen vermutlich die inspirierende Redewendung „sich vom Tellerwäscher zum Millionär hochzuarbeiten“. Die Vorstellung, dass jemand aus ärmlichen Verhältnissen mithilfe von Fleiß, Disziplin und Eifer in die wirtschaftliche Elite aufsteigen kann, ist nach wie vor in vielen Köpfen ein inspirierender Gedanke. Doch was steckt wirklich dahinter?

Nur wenige werden im Laufe ihres Lebens Millionäre

Wie ich in meinem ersten Artikel gezeigt habe, sind in Österreich nur etwa 3,5% der Bevölkerung Millionäre. Meine Frage lautet daher: warum schaffen gibt es nur so wenige und warum sind es die restlichen 96,5% der Bevölkerung nicht?

Um dem auf die Spur zu kommen, will ich dir zuerst zeigen, wie viel Geld man durchschnittlich als Otto-Normalverbraucher während des gesamten Erwerbslebens (vom Berufseinstieg bis zur Rente) verdient.

Wie du dir vermutlich denken kannst, hängt das Arbeitseinkommen von vielen verschiedenen Faktoren ab. Beispielsweise verdient ein Doktor der Physik zwangsläufig mehr als eine gelernte Köchin. Daher will ich dir diese Faktoren kurz näher bringen.

Faktoren, die dein Lebenseinkommen beeinflussen

  • Deine Branche bzw. deine Tätigkeit an sich (ein Informatiker ist derzeit vermutlich gesuchter als ein Fabrikarbeiter)
  • Deine Ausbildung (Berufsausbildung, Matura oder Uniabschluss)
  • Dein Geschlecht (Frauen haben i.d.R. Unterbrechungen in ihrem Erwerbsleben, während die meisten Männer durchgehend arbeiten)
  • Dein Arbeitsstandort (z.B. in der Stadt oder am Land – es gibt auch Unterschiede zwischen den Städten)
  • Die Größe deines Arbeitgebers (kleiner Tante-Emma Laden oder internationaler Konzern)
  • Dein Verhalten in Gehaltsverhandlungen (gibst du dich mit dem ersten Vorschlag zufrieden oder quetschst du jeden Cent aus dem Chef heraus?)
  • Usw.[1]

Ich habe mich entschieden nur das Einkommen von Arbeitnehmern näher zu untersuchen und diese Zielgruppe nach ihrem höchsten Bildungsabschluss aufzuteilen, da Bildung aus meiner Sicht eine der maßgeblichsten Einflussgröße ist. Andere Faktoren, wie Geschlecht, Standort, etc. werde ich in diesem Artikel vernachlässigen, da dies sonst den Rahmen sprengen würde.

So viel verdient man durchschnittlich im gesamten Leben

durchschnittliche Lebensverdienste nach höchstem BildungsabschlussSchenkt man einer deutschen Studie[2] Glauben, so verdient man je nach höchstem Bildungsabschluss im Durchschnitt zwischen 1,1 Mio. EUR und 2,3 Mio. EUR während des gesamten Arbeitslebens (vor Steuern, Sozialversicherung und ohne Berücksichtigung der Inflation).

Die Zahlen in der Studie stammen aus den Jahren zwischen 2008 und 2010. Ferner wurde angenommen, dass Personen ihrer Erwerbstätigkeit auf Vollzeit Basis und ohne Unterbrechungen nachgehen.

Unter der Annahme, dass diese Studie auf für Österreich zutrifft, wurden für die einzelnen Bildungsabschlüsse folgende Erwerbszeiträume gewählt:

Höchster BildungsabschlussErwerbszeitraum
Ohne Berufsausbildung19. bis 65. Lebensjahr
Berufsausbildung19. bis 65. Lebensjahr
Matura21. bis 65. Lebensjahr
Fachhochschule26. bis 65. Lebensjahr
Universität26. bis 65. Lebensjahr

In der Grafik des IAB siehst du, dass es einen offensichtlich positiven Zusammenhang zwischen Bildung und Einkommen gibt.

Je höher die Bildung, desto höher das Lebenseinkommen, so die Studie.

So hoch ist die Bildungsrendite

Verschiedenen anderen Quellen zufolge bringt jedes Bildungsjahr – über die Pflichtschule hinausgehend – zwischen 5 und 7 Prozent mehr Nettoeinkommen!![3]

Nimmt man die Zahlen der deutschen Studie her, so verdient man zumindest im Durchschnitt eine Million EUR, unabhängig vom Bildungsgrad. Leider berücksichtigt die deutsche Studie keine Abgaben an den Staat (= Steuern + Sozialversicherung) und keine Inflation.

Der Lebenseinkommensrechner

Um daher ein realistischeres Bild vom Lebenseinkommen zu bekommen habe ich für dich ein Rechentool entwickelt, welches diese Zahlen netto (nach Steuern, Abgaben) und bei Berücksichtigung der Inflation (= in der Kaufkraft zu Erwerbsbeginn; siehe Tabelle oben) darstellt:

Höchster Bildungsabschluss:
Inflation in % p.a.:
Abgabenquote (Steuern + Sozial Versicherung) in %:
Sparquote in %:

 
Das reale Lebenseinkommen beträgt beim Einstieg ins Berufsleben mit Jahren etwa EUR.

Mathematische Anmerkungen: Die Abgabenquote wurde einheitlich auf die Bruttoeinkommen der Studie angewendet und das daraus resultierende Nettoeinkommen wurde mit dem Inflationszinssatz auf das Jahr des fiktiven Berufseintritts abgezinst. Diese Berechnung ist rein hypothetisch, vernachlässigt viele andere Faktoren und stellt keine verlässliche Grundlage für finanzielle Entscheidungen jedweder Art dar. Quelle der durchschnittlichen Bruttoeinkommen: IAB – Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Deutschland, 2014[4]

 

Klingt nach viel Geld, oder? Was würdest du mit EUR machen?

Aber leider haben wir bei den gesamten Einkünften die Ausgaben noch nicht berücksichtigt. Es wäre es interessant zu wissen, wie viel Geld nach Abzug der Ausgaben im Geldbörserl übrig bleibt. Hierfür soll die Sparquote etwas Abhilfe schaffen.

Die Netto-Sparquote (= Anteil des verfügbaren Einkommens, das gespart wird) von privaten Haushalten und privaten Organisationen ohne Erwerbszeck betrug 2019 nur 8,2% lt. Statistik Austria[5].

Allerdings muss man wissen, dass je höher das Einkommen (und auch die Bildung), desto höher auch die Sparquote. So beträgt die Sparquote der Topverdiener (Top 10%, gemessen am monatlichen Nettoeinkommen) bereits 17% während hingegen die Niedriglöhner (Worst 10%) nur 1,8% ihres monatlichen Nettoeinkommens sparen[6].
Umgerechnet auf das Einkommen vom Rechentool sind das bei einer Sparquote von Prozent EUR, die vom gesamten Lebenseinkommen gespart werden!!

Klingt doch eher ernüchternd, oder?

Die zwei Möglichkeiten, um mit Arbeit reich zu werden

Nun gibt es für dich zwei Möglichkeiten, um in Geldangelegenheit besser als der Durchschnitt dazustehen:

  1. Erhöhung deines Einkommens
  2. Begrenzung deines Konsums

Leider kannst du die Variante der Einkommenserhöhung als Arbeitnehmer nur bis zu einer gewissen Obergrenze ausloten.

Du kannst, meiner Meinung nach, neben einem 40h Job nur maximal 1-2 Nebenjobs haben und i.d.R. bekommst du nur 1x im Jahr eine Gehaltserhöhung, die sich meist im niedrigen einstelligen Prozentbereich bewegt.

Daher bietet der direkte Tausch von Arbeitskraft gegen Geld nur wenig Potenzial, um reich zu werden.

Passives Einkommen

Abseits vom Arbeitseinkommen gibt allerdings das tolle Konzept des passiven Einkommens. Das bedeutet, dass du losgelöst vom tatsächlichen Zeiteinsatz laufend Einkommen kassierst. In diesem Artikel erfährst du mehr über passives Einkommen.

Außerdem liegt einiges Potenzial in der Begrenzung deines Konsums. In diesem Artikel erfährst du mehr zum Thema Konsumbegrenzung und sparen.
 

Fazit

Die Legende vom Tellerwäscher zum Millionär ist statistisch gesehen tatsächlich nur eine Legende und eher Wunschdenken als Realität.

Ein Arbeitnehmer wird selten mit einem durchschnittlichen Arbeitseinkommen reich – es sei denn, man arbeitet im gehobenen Management eines großen Unternehmens.

Allerdings hast du die Chance durch passives Einkommen und Konsumbegrenzung auch als Durchschnittsmensch relativ wohlhabend zu werden.

Hast du ein paar ausgefuchste Ideen, wie du reich werden kannst? Ich schätze deine Meinung und freue mich über dein Kommentar.
 
Bleib Hungrig!

Dein Pfennigfuchser

 

Quellen:
[1] http://www.lrsocialresearch.at/files/Endbericht_Einkommensunterschiede_L&R_Sozialforschung.pdf und https://www.stern.de/wirtschaft/job/gehalt–diese-faktoren-beeinflussen-das-einkommen_7555476-7554374.html
[2],[4] http://doku.iab.de/kurzber/2014/kb0114.pdf
[3] https://www.ihs.ac.at/fileadmin/public/user_upload/Policy_Brief_4_AkademikerquoteBeschaeftigungundWachstum.pdf
[5] http://www.statistik.at/web_de/statistiken/wirtschaft/volkswirtschaftliche_gesamtrechnungen/nichtfinanzielle_sektorkonten/jahresdaten/019514.html
[6] https://www.wohlstand-mittelschicht.de/pdf/Studie-Union-Investment-Sparverhalten.pdf
Beitragsbild: www.pixabay.com

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Hallo Chris,
    ich finde deinen Artikel sehr gut, interessant und aufschlussreich. Ich denke, bei der Geschichte vom Tellerwäscher zum Millionär werden oft nur die Äußerlichkeiten gesehen. Man hinterfragt nicht, wie es geht. Wie du schreibst, es spielen Faktoren zusammen. Beispielsweise kann sich der „Tellerwäscher“ ein passives Einkommen mit Aktien, Mieteinnahmen, etc. aufgebaut haben, von denen aber nach außen hin nichts sichtbar ist. Und somit erscheint es als nicht möglich, da es mit einem normalen Verdienst nicht zu schaffen ist.

    Antworten
    • Hallo Manuela,
      danke für dein Kommentar =)
      ich stimme dir voll zu. Die meisten Menschen sehen nur das Ergebnis (= Millionär), aber nicht den harten Weg, den man lange gehen musste, bis man dort endlich ankommt.
      Und dieser Weg ist bei jedem Mensch verschieden. Es führen ja bekanntlich viele Wege nach Rom
      Daher will ich auch möglichst viele dieser Wege im Rahmen meines Blogs aufzeigen =)

      LG
      Chris

      Antworten

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