ETF – thesaurierend oder ausschüttend?

Artikelbewertung thesaurierende oder ausschüttende ETFs?

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Einleitung

Viele Menschen, die kurz davor stehen ihr Geld in ETFs zu investieren, müssen sich früher oder später entscheiden, ob sie thesaurierende oder ausschüttende ETFs bevorzugen. Manche haben sicher schon irgendwo im Internet gelesen, dass thesaurierende ETFs steuerfreundlicher sind als das ausschüttende Pendant.

In diesem Blogartikel wirst du erfahren, was wirklich dahinter steckt. Du erfährst, was ein ausschüttender, was ein thesaurierender ETF ist und warum ich ausschüttende ETFs bevorzuge. Besonders die steuerlichen Unterschiede der beiden in Österreich werde ich behandeln.

Über ETFs

Ich gehe davon aus, dass du schon grob weißt, was ein ETF ist. Falls nicht, kannst du es hier nachlesen.

Dennoch hier die Kurzfassung: ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein Fonds, der das Geld von vielen Anlegern verwaltet und mit diesem Geld viele verschiedene Wertpapiere (z.B. Unternehmen) kauft. Für den Besitz dieser Wertpapiere erhält der Fonds laufend Gewinnbeteiligungen ausbezahlt in Form von Dividenden oder Zinsen.

Nun stellt sich die Frage, was der ETF mit den Gewinnen machen soll. Und hierbei unterscheidet man zwischen zwei Gattungen von ETF: ausschüttend und thesaurierend.

Was ist ein ausschüttender ETF?

Wie du in dem anschaulichen Bild siehst, zeichnet sich ein ausschüttender ETF dadurch aus, dass er regelmäßig die erwirtschafteten Gewinne an dich ausbezahlt, solange du den ETF besitzt[1].

Das Spektrum der Auszahlungs-Regelmäßigkeit schwankt je nach ETF zwischen einmal pro Jahr bis hin zu 1x pro Monat, genauso wie bei börsennotierten Unternehmen[2]. Allerdings kannst du vor dem Kauf herausfinden, wie oft pro Jahr eine Auszahlung stattfindet. Das steht im Fondsprospekt drinnen, das du beim Fondsanbieter online einsehen kannst.

Wie hoch so eine Ausschüttung ist, ist sehr individuell und selbst wenn du den gleichen ETF mehrere Jahre lang besitzt, sind die Ausschüttungen jedes Jahr unterschiedlich. Das kann mit der wirtschaftlichen Entwicklung der im ETF beinhalteten Wertpapiere/Unternehmen zusammenhängen und mit dem Fondsmanagement (es kann sich ja Geld zur Deckung der Verwaltungskosten oder zur Minimierung des Tracking-Errors zurückbehalten).

Vorteile

Der Vorteil des ausschüttenden ETFs liegt auf der Hand: Du bekommst ähnlich wie bei einem Sparbuch regelmäßig „Zinsen“ in Form von Ausschüttungen ausbezahlt, wobei die Höhe dieser meist unterschiedlich ist. Das Geld steht dann zu deiner freien Verfügung (Stichwort passives Einkommen) und damit einher geht ein kleiner psychologischer Vorteil (du siehst regelmäßig etwas für dein investiertes Geld)[3].

Nachteile

Die Ausschüttungen musst du vollständig versteuern. Dazu später mehr.

Zusätzlich gilt: wenn du das ausgeschüttete Geld nicht wieder an der Börse anlegst, wäre es rein aus Renditesicht bei einem thesaurierenden Fonds besser aufgehoben (Stichwort Opportunitätskosten)[4].

Was ist ein thesaurierender ETF?

Ein thesaurierender ETF (auch wiederveranlagender ETF genannt), zeichnet sich dadurch aus, dass er die erwirtschafteten Gewinne nicht an dich ausschüttet, sondern zur Gänze einbehält und damit neue Wertpapiere für den ETF kauft[5]. Er macht Gebrauch vom allgemein bekannten Zinseszinseffekt.

Vorteile

Du musst dich nicht selbst um die Wiederanlage deiner Erträge kümmern (das macht der ETF automatisch für dich). Zusätzlich fallen dabei weniger Transaktionskosten an als wenn du mit deinem eigenen Geld shoppen gehst.

Außerdem hast du einen kleinen Steuervorteil, weil du einen Teil der Steuern erst beim Verkauf des ETFs bezahlst (= Steuerstundung) – dazu später mehr[6].

Nachteile

Du brauchst stets etwas Liquidität auf deinem Depotverrechnungskonto, um die jährliche Steuernachzahlung begleichen zu können[7].

Weiters hast du meiner Meinung nach einen kleinen psychologischen Nachteil, wenn du jedes Jahr Geld für deine Investitionen nachschießen musst und erst beim Verkauf des Fonds die Gewinne einstreichen kannst.

Steuerliche Behandlung der ETFs

Generell gilt in Österreich: auf Kapitalerträge von Wertpapieren ist die KESt (Kapitalertragssteuer) in Höhe von 27,5% zu bezahlen[8].

Im Folgenden werde ich nur die steuerliche Sicht von ETFs ansehen, die ihren Fondssitz im Ausland haben und ein Meldefonds in Österreich sind, weil diese die Mehrheit der für dich relevanten ETFs abdeckt.

Thesaurierende Fonds

Thesaurierende Fonds behalten sich alle Gewinn ein. Da der Staat auch hier gerne mitnaschen möchte, besteuert er dies ebenso. Im Fachjargon spricht man bei den einbehaltenen Gewinnen von ausschüttungsgleichen Erträgen.

Der Staat unterscheidet zwei Arten von ausschüttungsgleichen Erträgen: einerseits die ordentlichen Erträge (= Zinsen und Dividenden), die der ETF erhalten hat, für welche du die normale KESt zu zahlen musst, und andererseits außerordentliche Erträge (= Verkaufsgewinne von Wertpapieren, auch Substanzgewinne genannt), die zu 60% mit der KESt besteuert werden[9].

Einmal im Jahr meldet der Fonds die ausschüttungsgleichen Erträge dem Staat. Anschließend führt die Bank, bei der du das Depot hast, automatisch die Steuer für dich ab (wenn du ein inländisches Depot hast).

Damit du später beim Verkauf des Fonds nicht doppelt besteuert wirst, erhöht der Staat deine Anschaffungskosten des ETFs um den Betrag der ausschüttungsgleichen Erträge auf die du Steuern gezahlt hast[10].

Außerdem ist noch zu beachten, dass sobald du den ETF verkaufst, die restlichen 40% der Substanzgewinne fällig werden[11]. Klingt kompliziert? Ist es auch.

Rechenbeispiel

Folgend ein steuerliches & didaktisches Rechenbeispiel, dass die ganze Thematik einfacher zu verstehen machen soll.

Der NAV (net asset value) beschreibt in der Tabelle den wirtschaftlichen Wert des Fonds. Bei jeder Ausschüttung wird dieser Wert weniger, bei jeder Thesaurierung mehr.

JahrEreignisSteuern Cashflow AnschaffungskostenWirtschaftlicher Wert (NAV)
1Kauf Fonds um 100 EUR--100100100
2Ordentliche & Außerordentliche Erträge: je 10 EUR4,4-4,4116120
3Ordentliche Außerordentliche Erträge: je 10 EUR4,4-4,4132140
4Keine Erträge; Verkauf Fonds um den Anschaffungswert4,4+135,6--
Summe13,2+26,8


Erklärung des Rechenvorgangs:
Im 1. Jahr wird der Fonds um 100 Euro gekauft.
Im 2. Jahr fallen auf die ordentlichen Erträge normal die KESt an mit 2,75 EUR. Weiters behält der Fonds die außerordentlichen Erträge (= 10 EUR) ein, auf die du 1,65 EUR Steuern zahlen musst (60% von den 10 EUR x KESt). Das ergibt im 2. Jahr eine Steuerbelastung von 4,4 EUR, während der Cashflow -4,4 EUR ist, sich die Anschaffungskosten auf 116 EUR erhöhen (um den Anteil der besteuerten thesaurierten ordentlichen & außerordentlichen Erträge) und der NAV auf 120 steigt (um die thesaurierten Erträge).
Im 3. Jahr findest das selbe Spiel statt. Die Steuerbelastung und der Cashflow ist der selbe wie im 2. Jahr, der Anschaffungswert erhöht sich auf 132 EUR und der NAV auf 140 EUR.
Im 4. Jahr wird der Fonds um den NAV Preis (140 EUR) verkauft. Dabei wird die KESt auf den Kursgewinn von 8 EUR (140 EUR – 132 EUR) fällig und beträgt 2,2 EUR. Zusätzlich werden jetzt noch die anderen 40% der außerordentlichen Gewinne versteuert und das sind 2,2 EUR (20 x 40% x KESt) zu bezahlen. Insgesamt fallen dann 4,4 EUR an KESt im 4. Jahr an. Der Cashflow liegt bei +135,6 EUR (140 EUR – 4,4 EUR).
In Summe sind 13,2 EUR an Steuer angefallen und der Cashflow war bei +26,8 EUR.

Ausschüttende Fonds

Ist die Steuer bei ausschüttenden Fonds einfacher zu berechnen? Einfach 27,5% auf sämtliche Ausschüttungen an den Staat abdrücken und Basta? Ganz so einfach ist es leider nicht, denn auch bei ausschüttenden ETFs fallen ausschüttungsgleiche Erträge an.

Diese werden genauso, wie beim thesaurierenden ETF besteuert, nur mit dem einem kleinen Unterschied: sobald außerordentliche Erträge ausgeschüttet werden (die zuvor mit 60% besteuert worden sind), müssen die restlichen 40% auch versteuert werden[12].

Mir sind auch schon ausschüttende ETFs untergekommen, bei denen ich auch ordentlich Steuern nachzahlen musste. Nach meiner Erfahrung sind manche ETFs der Marke iShares relativ steuer- und nachschussintensiv. Damit du nicht in die selbe Falle tappst wie ich, findest du hier meinen ETF-Nettorendite Rechner, der dir schwuppdiwupp zeigt, was dir nach der Steuer wirklich im Börserl übrig bleibt.

Rechenbeispiel

Folgend ein steuerliches & didaktisches Rechenbeispiel dazu. Dabei habe ich die selben Zahlen verwendet, wie beim Rechenbeispiel des Thesaurierers oben. Der Einfachheit halber nehmen wir in dem Beispiel an, dass der ausschüttende Fonds 100% der ordentlichen Erträge ausschüttet. Weiters habe ich angenommen, dass die ordentlichen Erträge immer die selbe Höhe haben wie die außerordentlichen Erträge, damit du die Beispielrechnung besser verstehst.

JahrEreignisSteuernCashflowAnschaffungskostenWirtschaftlicher Wert (NAV)
1Kauf Fonds um 100 EUR--100100100
2Ordentliche & Außerordentliche Erträge: je 10 EUR4,4+2,85106100
3Ordentliche Außerordentliche Erträge: je 10 EUR4,4+2,85112100
4Keine Erträge; Verkauf Fonds um den NAV-1,1+101,1--
Summe7,7+6,8


Erklärung des Rechenvorgangs:
Im 1. Jahr wird der Fonds um 100 Euro gekauft.
Im 2. Jahr werden die ordentlichen Erträge (= 10 EUR) ausgeschüttet und dabei werden 2,75 EUR an Steuern fällig. Weiters behält der Fonds die außerordentlichen Erträge (= 10 EUR) ein, auf die du 1,65 EUR Steuern zahlen musst (60% von den 10 EUR x KESt). Das ergibt im 2. Jahr eine Steuerbelastung von 4,4 EUR, während der Cashflow +2,85 EUR (7,25 EUR – 4,4 EUR) ist, sich die Anschaffungskosten auf 106 EUR erhöhen (um den Anteil der besteuerten thesaurierten außerordentlichen Erträge) und der NAV bei 100 bleibt (10 EUR Ausschüttungen – 10 EUR Thesaurierung).
Im 3. Jahr findest das selbe Spiel statt. Die Steuerbelastung und der Cashflow ist gleich wie im 2. Jahr, der Anschaffungswert erhöht sich auf 112 EUR und der NAV bleibt bei 100 EUR.
Im 4. Jahr wird der Fonds um den NAV in Höhe von 100 EUR verkauft. Dabei fällt eine Negativ-KESt an (100 EUR – 112 EUR) fällig und beträgt -3,3 EUR. Zusätzlich werden jetzt noch die anderen 40% der außerordentlichen Gewinne versteuert und das sind 2,2 EUR (20 x 40% x KESt) zu bezahlen. Der Cashflow im 4. Jahr liegt bei +101,1 EUR (100 EUR + 1,1 EUR) unter der Annahme, dass die Negativ KESt rückvergütet wird.
In Summe sind 7,7 EUR an Steuer angefallen und der Cashflow ist bei +6,8 EUR.

Anmerkungen

Die obigen Rechenbeispiele haben wir gezeigt, wie die Höhe der Steuer zu Stande kommt. Du hast zwar gesehen, dass beim thesaurierenden ETF in Summe ein höherer Cashflow herauskommt, aber ich möchte anmerken, dass dies kein repräsentatives Beispiel ist und nur zu Veranschaulichungszwecken dienen soll.

Fazit

  • Das Berechnen von ETF Steuern ist nicht einfach und ich muss sagen, dass die obigen Beispiele rechnerisch noch die einfachsten Varianten sind.
  • Glücklicherweise wickeln inländische Broker die Besteuerung für dich automatisch ab. Bei meinem Brokervergleich findest du heraus, welche am besten für dich geeignet sind.
  • Ausschüttende Fonds haben den psychologischen Vorteil, dass du regelmäßig Geld für deine Investition siehst – das muss aber nicht unbedingt heißen, dass der ETF mehr Rendite erzielt als sein thesaurierender Bruder.
  • Ich glaube, dass bei der Entscheidung – thesaurierender oder ausschüttender ETF – letztlich die persönliche Vorliebe (Gewinn regelmäßig am Konto sichten oder mehr Gewinn, aber erst beim Verkauf) den Ausschlag gibt.
  • Damit du nicht lange bei den Steuern herumrechnen musst, ob es sich bei einem einzelnen ETF um einen steuerfreundlichen oder steuerfressenden ETF handelt, kannst du hier meinen ETF-Nettorendite Rechner nutzen, der dir zeigt, was nach der Steuer wirklich im Börserl übrig bleibt.

 

Welcher ETF Typ ist dir am liebsten und warum? Ich schätze deine Meinung und freue mich auf dein Kommentar.

 

Bleib Hungrig!

Dein Pfennigfuchser

 

Quellen:
[1], [3], [4], [5], [6], [7] https://www.gerd-kommer-invest.de/ausschuettende-vs-thesaurierende-fonds/
[2] https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/geld-versicherungen/sparen-und-anlegen/aktien-fragen-und-antworten-zur-dividende-10675
[8] https://www.bmf.gv.at/themen/steuern/sparen-veranlagen/besteuerung-kapitalertraege-inland.html
[9], [11] https://findok.bmf.gv.at/findok?segmentId=36f18de6-f0e6-4519-847f-e299cd310e09
[10], [12] https://findok.bmf.gv.at/findok?segmentId=f6bebe28-8310-4cb0-a917-4e70e8d89541
Giphy von Mr. Krabs: Rich Make It Rain by SpongeBob SquarePants
Beitragsbild: https://pixabay.com/photos/thinking-person-person-thinking-2681494/

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Über den Autor

Portrait Christopher Rechberger Quadratisch

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