Geheimer Champion der Privatanleger Teil 2 – So wählst du den richtigen ETF aus

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Einleitung

Im letzten Artikel lerntest du kennen, was ETFs sind, warum sie sinnvoll für dich sein können und welche Kosten auf dich zukommen.

Da es mittlerweile weit mehr als 1.000 zugelassene ETFs im deutschsprachigen Raum gibt, stellt sich dir die Frage, welcher ETF der Richtige für dich ist. Genau das soll dieser Artikel für dich klären.

Bevor wir jedoch loslegen, musst du an dieser Stelle schon grob wissen, in was du gerne investieren möchtest (also welche Assetklasse bzw. welche Märkte). Solltest du dies noch nicht wissen, so sollte dir mein Artikel zur Asset-Allokation weiterhelfen.

Indexauswahl

Zur Rekapitulation: ETFs bilden Indizes (= Mehrzahl von Index) nach und da du nun weißt in welchen Markt du investieren möchtest, musst du nun einen geeigneten Index auswählen.

Was ein Index ist, haben wir bereits im letzten Artikel erläutert.

Jeder Index hat fest definierte Regeln, die bestimmen, welche Wertpapiere in die Index-Sammlung hineinkommen. Bei Aktienindizes basieren diese meist auf der Größe der Unternehmen (Marktkapitalisierung) sowie auf der Börse, an der die Unternehmen gelistet sind. Beispiel: Der ATX Index enthält die 20 größten Unternehmen, die an der Wiener Börse gelistet sind.

Die Marktkapitalisierung berechnet sich aus dem jetzigen Aktienkurs des Unternehmens mal der Anzahl an Aktien, die sich Streubesitz (= frei verfügbar an der Börse) befinden. 

Typen von Indizes

Du kannst grundsätzlich folgende Typen von Indizes unterscheiden:

  • Kurs- und Performance-Indizes, wobei bei Performance-Indizes Dividenden rein rechnerisch sofort wieder kostenfrei in den Index reinvestieren. Kursindizes ignorieren Dividenden und sind daher zu vernachlässigen. 
  • Brutto-(Engl. Gross) und Netto-(Engl. Net) Indizes, wobei Letztere die Quellensteuern  berücksichtigen. Brutto-Indizes vernachlässigen die Quellensteuern während Nettoindizes die maximale Quellensteuer für jedes Land mit ein rechnen. Ein Synonym für Nettoindizes ist TRN (Total Return Net).
  • Weitere Unterscheidungsmerkmale
    • Standardwerte (Blue Chips) vs. mittelgroße Unternehmen vs. Nebenwerte (Small Caps)
    • Value (Dividendenstark) vs. Growth (Wachstumspotenzial)
    • Regionen vs. Nationen vs. Branchen
    • Themenindizes, wie Nachhaltigkeit, Ethik, Klimafreundlich, …
    • usw.

Neben populären Leitindizes (z.B. DAX) gibt es Indexfamilien, die im Gegensatz zu den populären Leitindizes meist auf wissenschaftlichen Methoden basieren und besser diversifiziert sind. Beispiele dafür sind MSCI, Standard & Poors, Stoxx, FTSE Russel. 

In der Regel solltest du breite Indizes (hoher Anteil der Marktkapitalisierung des Index an dem relevanten Gesamtmarkt) schmaleren Indizes vorziehen.

Indizes sind nicht statisch und es werden meist in regelmäßigen Abständen (z.B. zwei Mal im Jahr) Adjustierungen vorgenommen.

Hier findest du Listen von Indizes

Typen von ETFs

Wenn du nun den passenden Index ausgewählt hast, dann stell dir die Frage, ob du gerne Dividenden ausbezahlt haben möchtest oder nicht.

Gewinnverwendungsart

Du kannst ETFs nach ihrer Gewinnverwendungsart in ausschüttende und thesaurierende (reinvestierende) Fonds unterscheiden.

  • Ausschüttende Fonds zahlen dir in regelmäßigen Abständen die erwirtschafteten Gewinne aus. Davon werden dann Steuern abgezogen und der Rest wandert auf dein Konto. Der Vorteil dieser ETFs ist, dass du regelmäßig Geld auf deinem Konto siehst und zur Verfügung hast.
  • Thesaurierende Fonds investieren den Gewinn, den der ETF erwirtschaftet, sofort wieder in sich selbst. Der Vorteil dieser Fonds ist, dass keine Kosten bei der Reinvestition anfallen.

Wenn du nun eine Gewinnverwendungsart ausgewählt hast, musst du dich nun entscheiden, ob der ETF die Originalaktien des Index besitzen soll oder nicht.

Indexnachbildungsart

Du kannst ETFs nach ihrer Indexnachbildungsart in physische und synthetische Exchange Traded Funds unterscheiden. Diese kannst du wiederum in voll replizierende, sampling und swap Fonds unterteilen.

  • Physische ETFs halten die Wertpapiere des Index, den sie nachbilden.
    • Voll replizierende ETFs besitzen alle Wertpapiere mit derselben Gewichtung wie der Index.
    • Sampling ETFs kaufen nur einen Teil der Wertpapiere des Index, nämlich diejenigen, die den größten Einfluss auf den Index haben. Das hat den Vorteil, dass es kostengünstiger ist, als wenn der ETF alle (auch unbedeutende, schwer handelbare) Wertpapiere eines Index kaufen muss.
  • Synthetische ETFs halten Finanzderivate des Index, den sie nachbilden.
    • Swap ETFs bilden den Index nach, ohne dass diese ein Wertpapier des Index auch wirklich besitzen müssen. Ein solcher ETF kann in ganz andere Wertpapiere investieren und sichert sich die Wertentwicklung durch Wertpapier-Tauschgeschäfte mit einer Bank ab. Die Vorteile von Swap ETFs sind, dass diese im Vergleich zu physischen ETFs kostengünstiger sind, Indices mit unzähligen Einzelwertpapieren effizienter nachbilden, aber auch etwas risikoreicher (Abhängigkeit vom Tauschpartner) sind.

Weitere Auswahlkriterien

1. Sparplanfähigkeit

Wenn du es bevorzugst jeden Monat einen fixen Betrag automatisch in einen ETF zu investieren anstatt von großen Einmalbeträgen, dann solltest du die Sparplanfähigkeit von ETFs am Radar haben. 

Sparpläne sind einfach, bequem, disziplinieren und senken die Wahrscheinlichkeit zu einem ungünstigen Zeitpunkt in Aktienmärkte einzusteigen. Die monatlichen Kosten können sich stark je nach Anbieter unterscheiden und sollten genauestens geprüft werden. Wenn du schon einmal vom Cost-Average Effekt gehört hast, dann solltest du dich keinesfalls nur deswegen für einen Sparplan entscheiden, da dir dieser keine Renditevorteile bringt.

Ob ein ETF sparplanfähig ist, entscheidet jedoch der Online-Broker bzw. die Bank, bei der du dein Depot hast.

2. Kosten (TER)

Welche Kosten bei ETFs auftreten können, haben wir bereits im vorherigen Artikel erläutert.

Grundsätzlich sind ETFs mit der niedrigeren Gesamtkostenquote (TER, Total Expense Ratio) zu bevorzugen. Sollten zwei Produkte die gleiche TER haben, dann solltest du das mit der niedrigeren Geld-Briefspanne nehmen (siehe folgender Punkt).

3. Handels Liquidität

Die Handels Liquidität lässt sich durch die Geld-Briefspanne (bzw. Spread) bestimmen. Die Geld-Briefspanne ist die Differenz zwischen dem Kauf- und Verkaufspreis des ETFs. Je niedriger diese Differenz ist, desto höher die Liquidität des ETFs. 

4. Wertentwicklung

Die Wertentwicklung lässt Rückschlüsse ziehen, wie sich der ETF in der Vergangenheit im Hinblick auf seine Rendite entwickelt hat, aber die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt nicht auf die Zukunft schließen!

5. Steuern

Da das Thema Steuern etwas umfangreicher ist, findest du mehr Informationen in einem eigenen ETF-Steuer Artikel. So viel vorab: wenn du aus Österreich bist, dann solltest du nur in sogenannte Meldefonds investieren.

6. Alter

Der ETF sollte mindestens fünf Jahre alt sein, damit du dir sicher sein kannst, ob sich der Fonds in der Vergangenheit bewährt hat und es macht ihn besser vergleichbar mit anderen Fonds.

7. Volumen

Das verwaltete Vermögen des ETFs sollte bei mindestens 100 Mio. EUR liegen. Wenn er darunter liegt steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er entweder geschlossen oder mit einem anderen Fonds zusammengelegt wird.

8. Tracking-Differenz (Abweichungsqualität)

Die Tracking-Differenz sagt aus, wie exakt ein ETF der Wertentwicklung des Index folgt. Je genauer der ETF dem Index folgt, desto besser.

9. Fondsdomizil (= Sitz des Fonds)

Für dich sind in erster Linie nur in Europa sitzende ETFs mit dem Zusatz “UCITS” interessant. Dieser Namens-Zusatz besagt, dass gewisse regulatorische Auflagen zum Anlegerschutz erfüllt werden. 

Viele ETFs nutzen als Fondsdomizil entweder Irland oder Luxemburg, um Steuer- bzw. Rechtsvorteile zu genießen.

Beim Fondsdomizil von Aktien-ETFs ist aus quellensteuerlichen Gründen Irland den Domizilen Luxemburg, Deutschland und Frankreich vorzuziehen, insbesondere für ETFs, die in den USA investieren.

10. Fondsanbieter

Überprüfe, ob der Fondsanbieter etabliert ist und alle notwendigen Informationen (z.B. Verkaufsprospekt) zum ETF veröffentlicht. Die größten ETF-Anbieter in Europa sind iShares, db X-Trackers, Lyxor, UBS und Amundi.

11. Wertpapierleihe

Damit das Fondsmanagement noch zusätzlich Geld mit ETFs verdient, gibt es eine Wertpapierleihe. Der ETF verleiht seine Wertpapiere, die er besitzt, für eine gewisse Zeit gegen Gebühr an andere (Banken, Fonds zum Zweck von Leerverkäufen). Wie viel % ihre Bestands das Fondsmanagement verleiht, muss jeder selbst rausfinden im Kleingedruckten. Wenn sich jemand Dritter diese Wertpapiere ausleiht, muss der Ausleiher 100% des Wertes dieser Wertpapiere mit anderen Wertpapieren besichern, aber es bleibt immer gewisses Restrisiko bestehen, dass derjenige, dem man die Wertpapiere leiht, plötzlich insolvent ist. Idealerweise suchst du dir einen Fonds aus, der die Erträge der Leihgebühr auch an die Investoren weitergibt. 

12. Informationen

Bevor du in ein Produkt investierst, solltest du alle dazu veröffentlichten Informationsmaterialien des Emittenten oder der Fondsgesellschaft lesen. 

13. ETF Name

Die Namen der ETFs sind meist sehr kryptisch, enthalten aber wertvolle Informationen über diese. Hier erfährst du mehr zum Thema ETF-Namen entschlüsseln.

Fazit

  • Auch wenn es sehr viele ETFs im Umlauf gibt, kannst du viele davon im ersten Lauf ausschließen indem du zuerst einen geeigneten Index auswählst, dann entscheidest, ob du Dividenden ausgeschüttet haben willst und letztlich ob der ETF Originalwertpapiere des Index besitzen soll.
  • Den letzten Feinschliff gibst du deiner ETF-Auswahl mit Faktoren wie Sparplanfähigkeit, Kosten, Wertentwicklung, Steuern, usw. 

 

Hier findest du nochmals alle Artikel dieser Serie:

 

Bleib Hungrig!

Dein Pfennigfuchser

 

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